Die Welt wird immer schnelllebiger und komplexer. Dinge, die früher als unverrückbar galten, werden heute in Frage gestellt. Prognosen über die Zukunft sind oft ungenau, wie die Wahlprognosen für Trump und den Brexit zeigen. Auch im unternehmerischen Kontext sind seriöse Vorhersagen kaum noch möglich.

Doch wie können Unternehmer dennoch ins Handeln kommen, also loslegen?

Zu dieser Frage hat Dr. Saras Sarasvathy an der Universität von Virginia geforscht. Das Ergebnis: Bei erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern handelt es sich nicht um eine besondere Spezies Mensch oder gar geborene Siegertypen. Es hat auch nicht viel mit Glück zu tun. Erfolgreiche Unternehmer wenden intuitiv Effectuation an.

Effectuation geht davon aus, dass die Zukunft nicht vorhersagbar ist. Aber alles, was man selbst in die Hand nehmen kann, ist steuerbar. Es ist also ein sehr pragmatischer Ansatz des Unternehmertums im Sinne von „aus allem das Beste machen“.

Effectuation wurde beispielsweise von Bill Gates angewendet: Er hatte Microsoft nur gegründet, weil er keinen Job fand. Oder die Erfindung des Teebeutels: Der Teehändler Thomas Sullivan hatte die leichten Seidenbeutel eigentlich nur genutzt, um das Gewichtsproblem beim Versand zu umgehen. Als er dann erfuhr, dass seine Kunden  ihren Tee als Ganzes ins Wasser tunkten, um sich das Umfüllen und Abseihen zu sparen, war der Teebeutel geboren.

Doch wie funktioniert Effectuation?

Effectuation startet mit dem Vorhaben, etwas zu beginnen oder zu verändern – und mit dem Blick auf die eigenen Ressourcen. Womit kann ich mit meinen vorhandenen Mitteln umgehend beginnen?

Handeln heißt hier, seine noch ungenauen Vorhaben anderen zu erklären und somit Menschen zu finden, die bereit sind, mitzumachen. Wer sich an dem Vorhaben beteiligen möchte, bringt neue Mittel ein und beeinflusst die Zielrichtung der Unternehmung. Bei jeder neuen Runde werden die Ziele klarer.

Über mehrere Zyklen wird so etwas Neues kreiert. Das können neue Produkte, Dienstleistungen, Organisationen, Märkte oder einfach neue Lösungen für alte Probleme sein. Im Prinzip besteht der Ablauf aus einfachen Feedbackschleifen: denken, handeln, denken, handeln…

Daraus folgen diese vier Prinzipien: 

  1. Mittelorientierung: „Wer bin ich?“, „Was kann/weiß ich?“ und „Wen kenne ich?“ – Hierfür brauchen Sie nicht die Business-Idee des Jahrhunderts oder einen reichen toten Onkel. Sie fangen einfach mit den Mitteln an, die Sie zur Verfügung haben.
  1. Leistbarer Verlust: „Was bin ich bereit zu verlieren?“ (z. B. Geld, Zeit, Ihren guten Ruf?) So können Sie direkt ins Handeln kommen, ohne Kopf und Kragen zu riskieren.
  1. Einstellung zu Umständen und Zufällen: Anstatt sich vor Zufällen und Umständen zu schützen – versuchen Sie, die Chancen darin zu sehen. Wie können Sie die Umstände nutzen, um neue Innovationen zu entwickeln oder diese in unternehmerische Gelegenheiten transformieren?
  1. Vereinbarungen und Partnerschaften: Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit damit, nach dem „richtigen“ Partner zu suchen – kooperieren Sie mit den Menschen, die Lust haben mitzumachen. Jeder neuer Partner kann wieder neue Mittel einbringen und somit Ihr Vorhaben voranbringen. Auch wird das Risiko der Unternehmung geteilt.

Effectuation ist kein Hexenwerk. Es besteht aus einem Prozess und Prinzipien. Und das Beste ist: Effectuation kann jeder lernen!

 

New Work Trainings  bietet Trainings und Workshops zum Thema Effectuation an.

 

Quellen:

Sarasvathy, S. D. (2009). Effectuation: Elements of entrepreneurial expertise. Edward Elgar Publishing.

Faschingbauer, M. (2013). Effectuation: Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln. Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart

Foto: Photofunia
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