24 Prozent der Menschen bezeichnen sich als Prokrastinierer, also chronische Aufschieber. Aber die Dunkelziffer dürfte hoch sein – denn das ist nur der Anteil, der es geschafft hat, den Fragebogen rechtzeitig abzuschicken.

Im Wien der 20er Jahre saß die russische Psychologin Bluma Zeigarnik – ja, wo wohl? – in einem Kaffeehaus und beobachtete die Menschen um sich herum. Dabei fiel ihr auf, dass die Kellner, nachdem die Gäste bezahlt hatten, sich bei Nachfragen kaum noch an deren Bestellung erinnern konnten. Vor dem Bezahlen allerdings schon.

Zeigarnik stellte die These auf, dass nicht abgeschlossene Tätigkeiten im Unterbewusstsein steckenbleiben, während abgeschlossene gelöscht werden. In einem Experiment konnte sie dies nachweisen.

Darauf aufbauend entdeckten Forscher viele Jahrzehnte später, wie Prokrastinierer ihre unangenehme Aufschieberitis überlisten können: mit der „Nur ein paar Minuten“-Regel. Denn wer eine Tätigkeit beginnt mit dem Vorsatz, sich ihr „nur ein paar Minuten“ zu widmen, der blickt oft nach ein paar Stunden verwundert auf: Die Arbeit ist fertig.

Die Ursache für dieses Verhalten: Unser Geist möchte etwas Angefangenes beenden, um es gleichsam abhaken und löschen zu können.

Diese List hat sich als sehr effektiv selbst für die unangenehmsten Arbeiten erwiesen. Also, ran an die Steuererklärung! Wenigstens für ein paar Minuten…

Quellen:

B. V. Zeigarnik (1927). „Über das Behalten von erledigten und unerledigten Handlungen.“ Psychologische Forschung, 9, Seiten 1-85

B. A. Fritzsche,  B. R. Young, K. C. Hickson (2003). „Individual Differences in Academic Procrastination and Writing Success“. Personality and Individuality Differences, 35 (7), pages 1549–57

Foto: Unsplash, Drew Coffman
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